Tino Zimmermann – Developments (sign.)
Dieses psychologisch tiefgehende, mitunter therapeutische Künstler-Fotobuch erkundet wenig beachtete Zusammenhänge zwischen kreativ veranlagten Menschen in Arbeitergesellschaften, Suchtproblemen und psychischen Erkrankungen. Tino Zimmermann, selbst Teil des Milieus, das er fotografiert, erzählt diese Geschichte anhand von Bildern aus seinem persönlichen Archiv. Die Fotografien entstanden, als er die Fotografie zufällig als Mittel der Selbsttherapie entdeckte – nach seiner eigenmächtigen Entlassung aus einer psychiatrischen Klinik während einer drogeninduzierten schizophrenen Episode.
Über sechs Jahre hinweg entfaltet das Buch eine fein komponierte, chronologische Erzählung. Es zeigt, wie fehlende gesellschaftliche Akzeptanz für junge, kreative Menschen zu weit verbreiteten, aber potenziell vermeidbaren Krisen und Schwierigkeiten führen kann. Ein weiterer zentraler Fokus liegt auf Depression – der häufigsten und belastendsten psychischen Erkrankung in vielen Industrienationen, die trotz ihrer enormen Verbreitung stark stigmatisiert und oft unzureichend thematisiert wird.
Das Buch wurde vollständig von Zimmermann selbst gestaltet und richtet sich an Liebhaber von Fotografie und Künstlerbüchern. Für ihn ist es nicht nur ein Werk zur Sensibilisierung und Entstigmatisierung, sondern vor allem eines, das bei anderen neurodivergenten Menschen Anklang finden dürfte – bei denen, die sich in diesen Erzählungen wiedererkennen.
2019 wurde eine frühe Prototyp-Edition von Developments mit dem Deutschen Fotobuchpreis ausgezeichnet.