66 Photobooks from East Germany
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Dieses Buch bietet die erste englischsprachige Einführung in die Fotobuchkultur der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) – ein Feld, das trotz seiner Vielfalt, Komplexität und eigenständigen Bildsprache lange übersehen wurde.
Auf der Grundlage von Thomas Wiegands umfangreichem Forschungsprojekt, das 2025 auf Deutsch erschienen ist, präsentiert dieser Band eine prägnante und sorgfältig strukturierte Auswahl von 66 Fotobüchern, die zwischen 1950 und 1990 in der DDR entstanden sind. Jedes Werk wird auf einer Doppelseite mit Abbildungen, kurzen Texten und bibliographischen Angaben vorgestellt und bildet so zugleich eine visuelle Übersicht und ein Nachschlagewerk.
Die DDR maß der Fotografie als kulturellem und ideologischem Medium außergewöhnliche Bedeutung bei. Fotobücher sollten informieren, bilden und überzeugen und damit zur Formung des „sozialistischen Menschen“ beitragen. Alle Publikationen durchliefen streng kontrollierte Genehmigungsprozesse, geprägt von Zensur, Materialknappheit und zentraler Planung. Dennoch entstand unter diesen Bedingungen ein bemerkenswerter Werkkomplex.
Viele der hier vorgestellten Bücher zeichnen sich durch hohe gestalterische Qualität und anspruchsvolle Produktion aus, getragen von der langen Drucktradition Leipzigs. Andere offenbaren die visuellen Strategien der Propaganda: Bilder von Industrie, Landwirtschaft, Architektur und Alltag, sorgfältig komponiert, um Optimismus, Ordnung und kollektiven Zweck zu vermitteln. Selbst scheinbar neutrale Sujets – Landschaften, Stadtansichten, Porträts – sind von ideologischen Erwartungen geprägt.
Über viele Jahre hinweg blieben ostdeutsche Fotobücher in internationalen Darstellungen der Fotobuchgeschichte weitgehend unberücksichtigt. Ihre Wiederentdeckung erfolgte nur allmählich, häufig getragen von Sammlern und Forschern am Rand des Feldes. Wiegands Arbeit stellt den ersten umfassenden Versuch dar, dieses Terrain systematisch zu erschließen und das DDR-Fotobuch als eigenständigen und bedeutenden Werkzusammenhang zu etablieren.
Thomas Wiegand gilt als führende Autorität auf dem Gebiet der ostdeutschen Fotobücher. Seine umfangreiche deutschsprachige Studie mit über 500 Seiten und rund 1.300 Abbildungen bietet die bislang vollständigste Darstellung des Themas. Die vorliegende englischsprachige Auswahl macht seine Forschung erstmals einem breiteren Publikum zugänglich.
Dieser Band ist Teil eines Programms, das sich vergessenen oder marginalisierten Geschichten der Fotografie und des Fotobuchs widmet. »66 Photobooks from East Germany« ist Einführung und Einladung zugleich: ein Leitfaden zu einem Feld, das etablierte Narrative hinterfragt und die geografische Reichweite der Fotogeschichte erweitert.